Ich mag keine Supermänner. Solche Typen, deren Charakter kein Makel zu haben scheint; die da stehen, Smalltalk halten mit anscheinend jedem und allen, und die jedermann liebt und über die dauernd gesprochen wird. Aber da bin ich nicht der Einzige.
Ich habe gemerkt, daß mein Erfolg bei den Leuten viel größer ist, wenn ich die eine oder andere Schwäche zugebe. Kleines Beispiel:
35 Jahre, Diplom-Informatiker, programmiert seit seinem 16. Lebensjahr, joggt 3 mal die Woche, fährt seit Jahrzehnten Snowboard und Ski, Sportwagen, verheiratet, einen Sohn, 3 Sprachen, selbstständig.
Wieviele Leute kommen da “drüber”? Feinste Ausbildung, politisch korrekte Hobbies, international, verantwortungsvoll. Würde ich mich so präsentieren, hätte ich sicher viele oberflächliche Bekanntschaften; aber hätte ich Freunde? Wer hat denn schon gerne so einen Menschen zum Freund? Einer, der tagein tagaus von seinem tollen IT-Beruf berichtet, der davon redet wie toll sein Sohn ist und daß er neulich auf einer “Hütte” zum “boarden” war? Du meine Güte.
35 Jahre, voll in der Midlife Crisis, Schlafstörungen, selbstständig, Bergfreund
Ja, das klingt doch besser, oder? Nein, es klingt nicht besser, aber es fühlt sich besser an. Kein Übermensch bei dem alles perfekt läuft, sondern ein Mensch mit interessanten Punkten, sicher, aber auch mit Problemen. Und mit vielen Gesprächsthemen, obwohl es weniger Worte sind!
Wenn mir einer mit einem Lebenslauf erster Art daherkommt, da werde ich neugierig und bohre nach. Kennen Sie das wenn einer eine Fassade rennoviert indem er nur die alte Farbe überpinselt? Wenn dann was abbröckelt, dann sieht’s darunter viel schmutziger und angestaubter aus als es eigentlich ist; und dann haben Sie sicher, gerade so wie ich, keine Lust mehr, hinter dem Rest der Fassade nachzugucken.
Ich liebe halt nun mal die Berge; aber Berge mit Tälern. Berge ohne Täler, das ist eine Hochebene; da muß ich hochklettern um die Ebene zu sehen (und wehe der STein bröckelt!); mit ganz normalen Tälern geht das natürlich einfacher, da schau’ ich einfach aus dem Tal hoch.
Und darum mag ich keine Supermenschen. Zu anstrengend.
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