Archive für Mai 2007

Und tschüß

Ich habe einen neuen Grundsatz - jedes mal, wenn mir wieder ein Auftrag durch die Lappen geht, werde ich eine Schulung machen. Ich werde keine Personen oder Ereignisse suchen, die “daran schuld sind” - sobald es um Menschen geht sind solche Erkenntnisse sowieso hochgradig volatil. Stattdessen werde ich eine Schulung machen, die ungefähr in die Richtung liegt, wo das Problem war. Eine neue Sicht der Dinge lernen, meinen Horizont erweitern. Das bringt mich weiter als jeder Müßiggang.

Neulich war es wieder soweit. Die Gründe sind vielfältig, und entsprechend unbefriedigend. Teilweise war es meine Schuld, teilweise nicht - das Übliche, wir alle kennen es ja. Und als Bestrafung (oder ist es eher eine Belohnung?!?) werde ich einen NLP-Kurs machen. Vielleicht lediglich den “Adepten”, vielleicht auch gleich den “Meister”. Und mit dem sicheren Wissen, daß ich danach - dieselben Fehler sowieso nicht noch einmal machen werde. So hat auch dieses fatale Ereignis (wir sprechen von fast 100′000€ Umsatz!) etwas Positives.

Muß ich nur aufpassen, daß ich nicht “süchtig” danach werde,  meinen Auftrag zu verlieren.

Erfahrungswerte!

Endlich, endlich werde ich gelassen! atmete ich auf. Endlich versiegt die Wut, endlich der Ärger; endlich Ruhe…

Jaja, es war schon schlimm, jung zu sein. Nicht zu wissen wo mein Platz ist, was meine Aufgabe. Und es war schlecht für das Ego - jeder schien alles besser zu wissen!

Darum habe ich mir Prinzipien und Werte zurechtgelegt, um das Eine und das Andere zu erklären, und um bei Handlungsbedarf nicht immer stundenlang in mich gehen zu müssen. Jeder Satz an Prinzipien und Werten hat die Eigenschaft, daß er das Rauschen am Rande, das für die Zielfindung nicht wesentlich ist, ausblendet. So ein Rauschen sind vielleicht die Meinungen der anderen Leute, Erscheinungen, die oberflächlich mit einer wichtigen Sache zu tun haben etc pp.
Je länger wir an seinen Werten und Prinzipien feilen, desto effizienter werden wir im Ausblenden des Rauschens, und die Dinge gehen besser von der Hand. Früher oder später bekommen wir regelrechte Scheuklappen, die alles, was nicht mit unseren Werten und Prinzipien zu tun hat, ausblendet.

Und dann finden uns an einer Stelle, an der vielleicht einiges nicht perfekt läuft, aber an der wir uns ganz wohl fühlen mit uns selbst. Ein “lokales Maximum” würden die Mathematiker sagen. Und da lassen wir uns nieder.
Dummerweise erreichen wir diese Stelle irgendwo in der Mitte des Lebens, und nicht am Ende. Unser Leben geht also weiter, und wir hängen in diesem lokalen Maximum fest. Es passt uns immer weniger und weniger, in kleinen Häppchen, unterhalb der Notwendigkeit zu handeln. Dann läuft das Eine schief, dann das Andere, und irgendwann werden wir gezwungen, unsere Werte und Prinzipien anzupassen, sei es durch einen Schicksalsschlag, oder eine ungünstige Entwicklung. Es ist wie verhext - wir bauen uns ein Wertesystem auf um uns zurechtzufinden in dieser Welt; und genau zu dem Zeitpunkt wo wir glauben, jetzt haben wir’s, jetzt können wir endlich richtig loslegen, müssen wir alles überdenken, steht alles zur Disposition, und kommt der Zweifel wieder. Der Zweifel! Wie ich es hasse zu zweifeln!

Ich habe mir Erfahrungs-Stufen gebaut. Immer wenn ich eine Stufe erlangt habe, habe ich die vorigen Stufen als gegeben, wahr und richtig hingenommen - schließlich war es mir ja möglich, mit der inneliegenden Kenntnis weiterzuarbeiten, also muß ja etwas wahres dran sein! Ich habe also immer aus der aktuellen Summe der Erfahrungen heraus die nächste Stufe gebaut. Sicher haben sich in den ersten Stufen, als ich noch nicht so gut war im Stufen bauen, Fehler eingeschlichen. Und sicher habe ich (deshalb) weite Teile dieser Erfahrungstreppe in die falsche Richtung gebaut.

Aber weil ich auch Bewertungen anhand meiner eigenen Werte und Prinzipien durchführe (die das Resultat meiner Erfahrungstreppe sind), mache ich bei der Bewertung meiner Erfahrungstreppe von Vorneherein ein Systematischen Fehler - ich will so tun als ob ich objektiv bin, aber ich kann es gar nicht sein! Ich bin imer noch ich!

Aber wir müssen regelmäßig einmal unseren Erfahrngsschatz von der Seite beleuchten! Objektiv! Wie können wir sonst sicher sein, die nächsten Stufen in die richtige Richtung zu bauen? Die Welt wandelt sich so schnell, sie hat sich mit ziemlicher Sicherheit schon unter unserer langen langen (und bequemen!) Treppe der Erfahrung weiterbewegt. Und zwar außerhalb der Scheuklappen unser eigenen Prinzipien, Werte und Erfahrung. Da existieren Teile der Welt, die wir fälschlicherweise ausgeblendet haben, und die nun unsere Scheuklappen enger drücken. Bis schließlich die ganze Welt außerhalb liegt, und uns nichts bleibt außer uns selbst.

Es hilft nichts - wir müssen zweifeln, und zwar an unseren innersten Werten und Prinzipien, an unseren Erfahrungen, und an uns selbst. Das bremst uns unglaublich herunter und ist äußerst unangenehm, aber es hilft nichts. Nur so, wenn wir uns nicht allzu sicher sind, sind wir fähig, ein kritisches Wort gegen unseren eigenen Erfahrungsschatz zu führen. Durchsichtige Scheuklappen, sozusagen.
Ich hasse den Zweifel, insbesondere den an mir selbst; aber er muß sein; schließlich will ich leben.

Mit Käse fängt man Mäuse

Die einfachste Möglichkeit, jemanden dazu zu bringen etwas zu tun ist dafür zu sorgen, daß er es tun will. Sagt Dale Carnegie. Neudeutsch heißt das Win-Win-Situation.

Aus meinem Verständnis heraus ist es Manipulation eines Anderen, wenn man ihn überredet etwas zu tun, was er ursprünglich nicht wollte. Wenn ich ihm aber einen Nutzen einer Handlung darlege der ihm vorher vielleicht noch gar nicht aufgefallen ist, ist daran aber nichts falsches. Nur wenn ich es mit dem Hintergrund tue, seine Handlungen zu beeinflussen, dann wird es plötzlich anrüchig. Was genau ist also Manipulatin? Was stört uns daran, jemanden so zu beeinflussen, daß er eine Handlung ausführt?

Definieren wir stattdessen Manipulation als “überreden eines Anderen mit illegitimen Mitteln” wird es klarer. Dann bedeutet Manipulation nämlich, die Handlung eines anderen mithilfe von Lügen, Mißtrauen, Angst etc. zu beeinflussen. Also mit Argumenten, die bei näherer Betrachtung verpuffen oder sich als falsch herausstellen.

Ist das aber eine legitime Definition? Ist es überhaupt legitim, jemanden zu irgendetwas zu überreden? Das ist, finde ich, eine Frage des Zwecks, und der beteiligten Personen. Natürlich ist es mehr als legitim, jemanden zu einer Handlung zu überreden, die vor allem für denjenigen selbst nützlich ist. Aber selbst dann muß die Entscheidung es zu tun, von ihm selbst kommen; er selbst muß nach eigenen Erwägungen zum Entschluß kommen zu handeln. Ohne Druck. Du kannst den Leuten die Werkzeuge nur hinlegen; zwingen sie auch zu benutzen kannst du sie nicht.

Und die Personen sind wichtig. Versuche ich als 35-jähriger einen 8-jährigen zu einer Handlung zu überreden, so muß meine Argumentation äußerst rein und ehrlich sein, andernfalls riecht es nach Übervorteilung. Einem 35-jährigen gegenüber kann ich die Argumente entsprechend dem Nutzen filtern, er muß selbst wissen was er tut; bei einem wesentlich älteren, sagen wir einem 50-jährigen, darf ich evl. auch einmal die Wahrheit subjektiv beleuchten.

Aber in jedem der Fälle finde ich, sind Skrupel mehr als angebracht.

In diesem Sinne - es lebe win-win!

Hügel und Täler

Ich mag keine Supermänner. Solche Typen, deren Charakter kein Makel zu haben scheint; die da stehen, Smalltalk halten mit anscheinend jedem und allen, und die jedermann liebt und über die dauernd gesprochen wird. Aber da bin ich nicht der Einzige.
Ich habe gemerkt, daß mein Erfolg bei den Leuten viel größer ist, wenn ich die eine oder andere Schwäche zugebe. Kleines Beispiel:

35 Jahre, Diplom-Informatiker, programmiert seit seinem 16. Lebensjahr, joggt 3 mal die Woche, fährt seit Jahrzehnten Snowboard und Ski, Sportwagen, verheiratet, einen Sohn, 3 Sprachen, selbstständig.

Wieviele Leute kommen da “drüber”? Feinste Ausbildung, politisch korrekte Hobbies, international, verantwortungsvoll. Würde ich mich so präsentieren, hätte ich sicher viele oberflächliche Bekanntschaften; aber hätte ich Freunde? Wer hat denn schon gerne so einen Menschen zum Freund? Einer, der tagein tagaus von seinem tollen IT-Beruf berichtet, der davon redet wie toll sein Sohn ist und daß er neulich auf einer “Hütte” zum “boarden” war? Du meine Güte.

35 Jahre, voll in der Midlife Crisis, Schlafstörungen, selbstständig, Bergfreund

Ja, das klingt doch besser, oder? Nein, es klingt nicht besser, aber es fühlt sich besser an. Kein Übermensch bei dem alles perfekt läuft, sondern ein Mensch mit interessanten Punkten, sicher, aber auch mit Problemen. Und mit vielen Gesprächsthemen, obwohl es weniger Worte sind!

Wenn mir einer mit einem Lebenslauf erster Art daherkommt, da werde ich neugierig und bohre nach. Kennen Sie das wenn einer eine Fassade rennoviert indem er nur die alte Farbe überpinselt? Wenn dann was abbröckelt, dann sieht’s darunter viel schmutziger und angestaubter aus als es eigentlich ist; und dann haben Sie sicher, gerade so wie ich, keine Lust mehr, hinter dem Rest der Fassade nachzugucken.

Ich liebe halt nun mal die Berge; aber Berge mit Tälern. Berge ohne Täler, das ist eine Hochebene; da muß ich hochklettern um die Ebene zu sehen (und wehe der STein bröckelt!); mit ganz normalen Tälern geht das natürlich einfacher, da schau’ ich einfach aus dem Tal hoch.

Und darum mag ich keine Supermenschen. Zu anstrengend.

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