Archive für April 2007

Joggen ist Hoffnung

Für all die da draußen, die keine Hoffnung mehr haben - alles wird gut. Wirklich und ehrlich.
“Gut” ist eine Frage des Standpunkts, das wissen wir alle. Man sagt ja auch, man muß die “Dinge nur positiv sehen”! Und wer “keine Hoffnung mehr hat”, der “sieht” die Dinge auch nur “zu düster”.

Soviel zur Theorie, aber die Praxis sieht anders aus. Da nimmt man sich extra eine ruhige Minute, man kocht sich vielleicht einen Tee, setzt sich hin und beginnt zu denken. Man starrt die Decke an, sieht vielleicht einen neuen Fleck, denkt an den Haushalt und schon geht sie wieder los, die Hölle im Kopf. Ich müßte die Küche streichen, aber das Geld reicht nicht dafür. Und selbst machen, dafür habe ich keine Zeit. ich habe ja keinen Krippenplatz! Die Sorgen nehmen überhand, und erdrücken alle kreativen Gedanken. Und dann klingelt das Telefon, es klopft an die Tür oder die Kinder quäken. Schluß mit den konstruktiven Gedanken, das wars, der Trott hat mich wieder.

Ich habe angefangen zu joggen. Stellen Sie sich vor - eine Stunde kein Handy, kein Laptop, keine Zeitung, kein Gesprächspartner, und keine Couch. Raus aus der Umgebung, raus aus den Störfaktoren. 1/2 Stunde für den Körper, 1/2 Stunde für den Geist.

Die ersten 10 Minuten sind die Hölle, der Körper rebelliert. Aber durch die Schritte werden die Muskeln durchgeschüttelt, und Verkrampfungen lösen sich. Irgendwann nach 10-20 Minuten verschwinden die Schmwerzen, und die Schritte fliegen von selbst - schneller, immer schneller. Die Gleichmäßigkeit der Schritte wirkt wie Meditation, die Seele wird ausgerichtet, vollständige Entspannung setzt ein. Und Glück. Du bekommst Abstand von deiner Wohnung, deinem Alltag, und deiner Hölle im Kopf. Die Probleme scheinen gar nicht mehr so groß, oder zumindest ein bisschen kleiner. Du stehst neben dir und deinen Lebern, und betrachtest von außen. Klar, ich müßte die ganze Küche streichen, aber vielleicht frage ich ja einen Freund? Oder ich hänge ein Bild über den größten Fleck? Und naja, wenn ich mir endlich einen Zeitplan mache, vielleicht reicht dann noch die Zeit für ein, zwei Stunden Nebenjob? Ich könnte eine Elterninitiative gründen, muß doch sowieso auf den Kleinen aufpassen,…
Klar, nicht alle Einfälle werden was; aber wenigstens sehen wir so wieder Möglichkeiten, und die Chancen, uns selbst an den eigenen Haaren aus dem Dreck zu ziehen.
Geht joggen, und das Licht wird wieder euer Leben durchfluten.

Angst

Wie oft ging in Ihrem Leben bisher etwas schief? Ich meine, so richtig schief, so, daß eine Welt zusammenbricht und man irgendwie wieder von Vorne anfangen muß? Mir ist das bisher zweimal passiert. Als mein erstes Studium in die Brüche ging, das hätt’ ich mir denken können. So richtig Angst gehabt, das habe ich aber erst bei den letzten zwei, drei Prüfungen. Und das war nicht gerade hilfreich, und geholfen hats sowieso nicht. Also wozu der ganze Streß?

Wieviele Male haben Sie sich solche Katastrophen erspart, weil sie ängstlich waren? Ich kann mich an keine einzige mehr erinnern. Ich habe Angst gefühlt, z.B: wenn ich vor einer steilen Klippe ohne Sicherung stand, wenn bei Tempo 200 plötzlich ESP und ABS versagen, oder wenn der Idiot rechts neben mir plötzlich nach links zieht; alles Situationen, die ziemlich schief hätten gehen können. Die Angst war dabei aber keinheswegs dienlich.

Was bringt mir die Angst? Was bringt es, wenn mir vor einer steilen Klippe plötzlich die Knie zittern? Wenn ich vor einem wichtigen Gespräch keine Luft mehr bekomme? Wenn ich bei Tempo 150 zucke weil meine Frau aus Angst “Vorsicht!” schreit? Nichts. Absolut gar nichts. Eher das Gegenteil.

Es mag ja sein daß die Angst als solche irgendwann mal in der Menschheitsgeschichte Sinn gemacht hat; vor einer Elefantenherde wegrennen, oder der Adrenalinschub wenn die Familie von einem Säbelzahntiger bedroht wird. Heute sieht es anders aus. Die Angst lähmt uns, verleitet uns zu unangemessenen Reaktionen, tötet Kreativität und Sachlichkeit.

Ich töte meine Angst. Durch Konfrontation, besonders “gefährliche” Situationen, ausgesprochen stressige Situationen, die mich an meine Grenzen bringen- ich gewöhne mich sozusagen an die Angst. Nur so kann ich gewährleisten, daß ich den Schreck und die Angst im Notfall neutralisieren kann.

Frieden

Ich habe Gott gesehen. Er schaute mich an mit großen, unschuldigen Augen.

Ich habe Gott berührt. Er lag in meinem Arm, und sein Herz schlug mit meinem.

Ich habe mit Gott gesprochen. Ich sagte ihm “alles ist gut”, und er schlief selig ein.

Zahlenspielerei

Gesetzt der Fall, die Ereignisse und Zustände dieser Welt hängen “irgendwie” zusammen. Weiter gesetzt der Fall, es gibt eine (für einen spezielle Anwendung) relevante Menge an Ereignisse und Zustände k(n) dieser Welt, die hinreichend genau durch eine Zahl, errechnet als lineare Funktion, abgebildet werden könnten; dann können diese Ereignisse und Zustände als ein lineares Gleichungssystem (kurz LGS) formuliert werden:
a(n,m)*x(n,m)+a(n-1,m)*x(n-1,m)+a(n-2,m)*x(n-2,m)…. + a(1,m)*x(1,m) = k(m)

a(n,m-1)*x(n,m-1)+a (n-1,m-1)*x(n-1,m-1)+…..a(1,m-1)*x(1,m-1) = k(m-1)


a(n,1)*x(n,1)+a(n-2,1)*x(n-2,1)+…a(1,1)*x(1,1) = k(1)

Dieses LGS könnte mithilfe des Gauß’schen Eliminationsverfahren aufgelöst werden. Das funktioniert auch ganz wunderbar, wenn die Spaltenvektoren a (i,j) linear abhängig voneinander sind und m >= n ist, also die Anzahl der Zeilen mindestens die Anzahl der Spalten ist.

Ein Beispiel! Nehmen wir Aktien. Die Aktienwerte dieser Welt sind sicher wesentlich stärker aneinander gekoppelt als irgendwelche anderen Werte dieser Welt. Sinkt ein Hauptwert, so kann das gerne einmal zu einer Kettenreaktion führen, und eine ganze Börse in den Ruin treiben. Sinken mehrere Werte gleichzeitig (z.B. weil ein gemeinsamer Aktieneigner sein Depot konsolidiert), so ist die Gefahr ungleich größer, und nahezu wahrscheinlich ist der Börsencrash, wenn sich in der Runde der Aktieneigner eine schlechte Laune, Panik oder ähnliches ausbreitet. Man kann also mit einiger Berechtigung sagen, daß die Börsenkurse unterschiedlicher Aktien stark aneinander gekoppelt sind. Dehnt man dann das zeitliche Fenster aus, so gibt es irgenwann einen Punkt, ab dem man auch von einer (positiven oder negativen) linearen Kopplung der zeitlichen Mittelwerte reden kann. Aktienkurse sind also bestens geeignet für unser kleines Zahlenspiel!

Es sei jede Zeile 1 <= j <= m die Formel für einen Aktienkurs, k(j) also der Mittelwert des Aktienkurses j in einem von uns beliebig aber für alle Kurse festen Intervall. x(i,j) seien die Aktienkurse innerhalb des Intervalls i für 1 <= i <= n. Wenn wir eine Post-Mortem-Analyse fahren, können wir also sowohl die xen als auch die ks in das LGS eintragen. Aber was nützt es uns, wenn wir ein Gleichungssystem aufstellen für Werte x (i,j), wenn wir dann diese Werte einsetzen?

Die Koeffizienten a(i,j), das sind in diesem Fall die wirklich interessanten Werte. Sie bestimmen nämlich, wie stark die unterschiedlichen Aktienkurse x(i,.j) aneinander gekoppelt sind. Sind in einer Spalte (also festes i, variables j) mehrere Werte besonders stark ausgeprägt und andere Werte jedoch sehr gering, so deutet das auf eine starke Korrelation der AKtienwerte (über die übliche Börsenkorrelation hinaus) hin; das heißt, diejenigen Werte mit einem großen a(i,j) hängen “irgendwie” zusammen, sind also wesentlich stärker zueinander gekoppelt als die anderen Werte - in diesem Zeitintervall.
Das bedeutet weiter - wenn ich also eine Korrelation für zwei Aktien gefunden habe und bekomme eine Neuigkeit fur eine der beiden Aktien - dann hilft mir das bei der Vorhersage des anderen Wertes. Freilich wird diese Vorhersage umso ungenauer, je “heißer” eine Situation ist, oder je kleiner das zeitliche Intervall ist.Und umso nutzloser, je größer das zeitliche Intervall ist.

Stellt sich nur noch die Frage: wie bekomme ich die Werte a(i,j).
Wenn wir uns vor Augen führen was wir zuerst wissen wollen, nämlich welche Werte wie gekoppelt sind, können wir den Wertebereich für die a(i,j) stark einschränken. Setzen wir -1 = stark negativ gekoppelt, 0 = normal gekoppelt, 1 = stark positiv gekoppelt; um den Korrekturwert irgendwie zu greifen, führen wir für jede Zeile r(j) ein, der die Ungenauigkeit der Annahme repräsentiert, und ziehen diesen rechts von k(j) ab. dann sind diejenigen Zeilen für uns interessant, bei denen die Ungenauigkeit r(j) hinreichend gering ist.

Trotzdem dürften jetzt schon einige Zeilen herausfallen. Und über den Rest, da kümmer ich mich ein andermal :)

Träumt nicht zuviel!

Phantasie ist ne dolle Sache; da kann man Sachen erleben, die würde man real nie erleben: Drachen töten, den Himalaya besteigen, nackt durch die City laufen,…

Aber was passiert, wenn ich mir Sachen erträume, die ich erleben sollte? z.B. habe ich mir schon mal vorgestellt, eine bestimmte Klausur an der Uni zu bestehen, und zwar mit jeder Einzelheit. Das Gefühl, wenn man den Prüfungsraum verlässt und Richtung Caffeteria läuft; die Freude, neben meiner Matrikel-Nummer eine gute Note zu sehen, das federleichte Gefühl am Abend, nach 3 Tequillas und einer scharfen Blonden,… Danach hatte ich keine Lust mehr auf die Klausur zu lernen; denn ich hatte ja schon alles in meiner Phantasie erlebt, und zwar mit den bestmöglichen Details, mehrfach hintereinander in immer tolleren Versionen. Da hat die Realität gar keine Chance. Und natürlich bin ich Vollgas durch die Klausur gerasselt. Am darauffolgenden Abend kam was kommen mußte - ich habe mich im Zimmer eingeschlossen und mir vorgestellt, wie es hätte sein können.

Die Realität hat keine Chance gegen Träume. Darum sollte man nicht zuviel träumen. Oder besser: nicht zuwenig leben ;)

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