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Wider dem Umbruch!
Dieser Eintrag stammt von Michael Winkler Am 4.3.2007 @ 23:04 In Wannabe Philosopher | Keine Kommentare
Das ist schon so eine Sache mit den sozialen Umbrüchen auf Kommando. Da draußen scheint es immer wieder Leute zu geben, die die “Veränderung” glatt zur Errichtung eines eigenen Status Quo nutzen.
Nehmen wir Lenin. Er wollte doch eine Welt von Gleichen schaffen, daß Alles Allen gehört, daß kein Einzelner mächtiger ist als der andere - und was passiert? Ein machtbesessener Konservativer übernimmt die Kontrolle, und entartet das Ganze nach seinem Gustus.
Oder nehmen wir Herrn Hartz - er hatte sicher nicht vor, die Schwächsten noch weiter zu schwächen und die Armutsgrenze nach unten zu drücken. Ich kenne Herrn Hartz nicht und die Geschichte fällt ihr eigenes Urteil, aber das unterstelle ich ihm einfach mal.
Gute Vorsätze, beide gescheitert. Woran? Waren sie zu wenig durchdacht? Nehmen wir Hartz - so viele Gremien, so viele Diskussionen, da wird einiges hin-und-hergedacht worden sein; manchmal vielleicht entgegen des ursprünglichen Sinnes des Entwurfes, aber egal - gedacht wurde. Oder wurde zuviel gedacht? Warum hatte dann Lenin langfristig keinen Erfolg?
Ich denke, große Umbrüche, die müssen “im Volk wachsen”, mit kleinen Schritten. Bei beiden Vorhaben fand die Haupt-Handlung jedoch innerhalb weniger Jahre statt! Unser Staat - so dick die Gesetzbücher sein mögen - baut auf zwei Säulen auf. Da wäre einerseits die Stärke des Individuums, und andererseits die soziale Absicherung. Wird eine dieser Säulen angesägt, gerät der ganze Staat ins wanken. In dieser latenten Angst wird immer der Ruf nach einer starken Führung laut, die “weiß wo es langgeht” - verständlich. Da es immer einen Gestrigen in der Führungsriege gibt, also auch im Führungsteam eines Umbruchs, ergibt sich eins aufs Andere.
These Nummer 1 : Je kürzer der Zeitrahmen, desto unwahrscheinlicher und kurzfristiger Erfolg.
Aber was ist denn mit der französischen Revolution? Was mit der Leipziger? Der russischen Perestroika?
All diese Ereignisse hatten eines gemeinsam: das tiefe Bedürfnis zur Veränderung einer breiten Masse an Menschen. Es scheint also so zu sein, daß, je grundlegender das Bedürfnis, und je breiter die Masse an Menschen, die es teilen, desto nachhaltiger ist die Wirkung.
These Nummer 2 : Je höher die Anzahl der Unterstützer, desto wahrscheinlicher und langfristiger ein Erfolg
These Nummer 3 : Je dringender das Bedürfnis, desto wahrscheinlicher und langfristiger ein Erfolg
Wie blockiert man also am effektivsten einen sozialen Umbruch?
Oha. Kann es sein, daß die effizienteste Methode, einen sozialen Umbruch zu stoppen, ist, einen ersten, harmlosen aber effektvollen Schritt umzusetzen, und dann die Sache irgendwie zu blockieren?
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